Psycho-Neuro-Immunologie (PNI)
Die Psycho-Neuro-Immunologie (PNI) ist ein interdisziplinäres Forschungsgebiet, das sich mit den untrennbaren Wechselwirkungen aller Körpersysteme beschäftigt:
- Psychosoziale Systeme
- Nervensystem
- Immunsystem
- und Hormonsystem
Die Grundlage ist die Erkenntnis, dass Botenstoffe (Neurotransmitter, Zytokine und Neurohormone) aus unterschiedlichsten Bereichen des Körpers, sich auf körperliche Funktionen auswirken können:
- des Nervensystems auf das Immunsystem und umgekehrt
- aus dem Immun- und Nervensystem auf alle hormonellen Achsen
- ausgelöst durch psychosoziale Prozesse wie z.B. stressbegleitende oder stressauslösende Emotionen (Angst, Ärger, Wut) und Stressfolgeerscheinungen (Hilflosigkeit, Depression) auf alle anderen Systeme
Im Mittelpunkt steht die Wirkung der Psyche, sowie des Nervensystems auf das Immunsystem und umgekehrt.
Warum z. B. länger anhaltender Stress das Immunsystem negativ beeinflusst, und zur Entstehung bzw. einer Verschlechterung von vielen Erkrankungen und Verletzungen beiträgt oder eine Ausheilung verhindert?
Was ist Stress?
- Alles das, was uns stört, irritiert, belastet und Angst macht, also uns in unserem psychischen und physischen Wohlbefinden beeinträchtigt
Die Auslöser sind unterschiedlicher Natur:
- psychische Belastungen, wie Bedrohung, Gefahr, Emotionen, Glücks- oder Schmerzgefühle, Ängste, Konflikte
- physische Belastungen, wie körperliche Arbeit, Sport, Hitze, Kälte
- Erkrankung oder Verletzungen
Auswirkungen von Stress sind:
- Nachgewiesen ist das Absinken der Konzentration von sekretorischem Immunglobulin A (Antikörper auf den Schleimhäuten) im Speichel, sowie die vermehrte Ausschüttung des Neurostresshormons Cortisol (wirkt als Immunsuppressiva) bei chronischem Stress.
- Cortisol hemmt die Produktion von Zytokinen (Botenstoffen im Immunsystem), mindert die Reaktivität von T- und B- Lymphozyten (spezifische Körperabwehrzellen) und die Aktivität der natürlichen Killerzellen (unspezifische Körperabwehrzellen).
- Cortisol verändert das Zytokinmuster der T-Zellen vom zellulären TH 1-Typ (gute Abwehr gegen Viren und Krebszellen aber proentzündlich) zum TH 2-Typ (antientzündlich aber allergenisierend, schlechte Abwehr gegen Viren und Krebszellen).
- Durch die verschlechterte Situation des Immunsystems, steigt die Infektionshäufigkeit und die Entstehung von Krankheiten ist begünstigt. Dies wird als „open-window-Phänomen“ bezeichnet, d. h. ein geschwächtes Immunsystem kann Krankheitserreger nicht mehr ausreichend bekämpfen.
Einsatzmöglichkeiten dieses Wissenschaftsgebietes:
Wenn der Ausgleich zwischen dem Immunsystem und der Psyche nicht gelingt, sind typische Überlastungserkrankungen die Folge.
Dies geschieht durch die anhaltende Aktivierung des Sympathikus (Teil des unwillkürlichen Nervensystems, der für kämpfen und fliehen steht), ohne regelmäßige Umschaltung auf den Parasympathikus, (anderer Teil des unwillkürlichen Nervensystems, der für Regeneration und Reparation steht)
- Störungen im Stoffwechsel des Neurotransmitters Serotonin (Botenstoff aus dem Nervensystem), die zu folgenden Erkrankungen führen können:
im Verdauungstrakt: Reizdarmsyndrom, Verstopfung
psychische Erkrankungen: Depressionen, Unruhe, Panikattacken, Ängste und Zwänge
Schmerzsyndrome: Fibromyalgie, Kopfschmerzen oder Migräne.
gestörte Appetitregulation mit Heißhunger auf Kohlenhydrate
gestörte Schlafregulation mit Einschlafstörungen
energetische Probleme, die durch Konzentrations- und Gedächtnisschwäche auffallen.
- Ein unterschwelliger, nicht heilender, chronischer Entzündungsherd (Zähne, HNO-Bereich, Urogenitaltrakt, Darm) mit dauerhafter Ausschüttung von proentzündlichen Zytokinen wie TNF α / IL-1β (Botenstoffen aus dem Immunsystem die Entzündungen fördern), diese wirken wie Neurohormone /-transmitter und können zu Depressionen oder Gedächtnisstörungen, Müdigkeit, Erschöpfung bis zu Burn Out führen
- Durch einen Mangel an Sicherheit und Geborgenheit in der frühen Kindheit, kann es zu Störungen im Stoffwechsel des Neurotransmitters Dopamin (Botenstoff aus dem Nervensystem) kommen, welcher das Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitäts-Syndrom (AD(H)S), das „Brett vor dem Kopf“ in Prüfungen und Suchterkrankungen begünstigt
- Eine sehr hohe Trainings- oder Arbeitsbelastung über mehrere Wochen und Monate, die zu einer im Speichel messbaren veränderten Tagesrhythmik in der Ausschüttung von Cortisol (Neurostresshormon aus der Nebennierenrinde) führt, kann Bluthochdruck mit Herzangst, Schlafstörungen mit Tagesmüdigkeit und Übertraining auslösen.
- Ein hohes Stresslevel, das nicht mehr kompensiert werden kann, führt automatisch zu Verspannungen der Schulternacken- und Kiefergelenksmuskulatur, weil diese Muskeln von emotionalen Zentren des limbischen Systems mit angesteuert werden. Ein ausschließlich manualtherapeutischer Behandlungsansatz führt hier meist nicht zum Ziel.
- Bei bestimmten genetischen Voraussetzungen, löst Stress Entzündungsreaktionen im Körper aus und kann die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut verändern (Leaky Gut Syndrome). Das kann zu Hautreaktionen, wie bei Neurodermitis oder Psoriasis führen, aber auch Allergien sowie autoimmunologische Erkrankungen begünstigen.
Dabei ist es hilfreich, die Neurotransmitter, die Zytokine und Neurohormone als Teil eines komplexen, eng vernetzten Regulationssystems im Körper zu sehen.
Wie hängen diese Erkrankungen miteinander zusammen?
- Das gemeinsame Merkmal dieser Gesundheitsstörungen, ist die Beteiligung:
psychosozialer
neuraler
immunologischer
und hormoneller Mechanismen
Therapieablauf bei chronischen Erkrankungen:
Die Therapie ist sehr individuell, je nach Symptomatik und zugrunde liegendem Krankheitsbild. Grundlegende Maßnahmen werden aber beinahe immer in einer bewährten Reihenfolge durchgeführt:
- 1. Der erste Schritt ist ein ausführliches Gespräch und einige Untersuchungen, damit dem Patienten das Krankheitsbild sowie der Verlauf der Erkrankung bis ins letzte Detail erklärt werden kann. Das ist unbedingt notwendig, damit er Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des eigenen Körpers bekommt, mitarbeiten kann und ihm die „Angst vor …“ genommen wird.
- 2. Der nächste Schritt, ist die Behandlung der wichtigsten Symptome, der sichtbaren „Spitze des Eisberges“, die den Patienten in die Praxis geführt haben. Danach müssen die Ursachen angegangen werden, das ist der „Hauptteil des Eisberges unter der Wasseroberfläche“, der nicht sichtbar ist.
- 3. Umstellung auf „gengerechte“ und antientzündliche Ernährung durch ausführliche Beratung. Zu einem späteren Zeitpunkt kommen Untersuchungen auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten hinzu.
- 4. Anpassung des Bewegungsverhaltens, heißt täglich min. 1 Stunde „Ausdauertraining“ bei niedriger Intensität, wie Rad fahren, spazieren gehen, schwimmen usw. Dazu soll 2x pro Woche ein „Krafttraining“ mit mittlerer Intensität, unter Kontrolle eines Therapeuten / Trainers durchgeführt werden.
- 5. Erlernen von aktiven Entspannungsverfahren, wie Yoga, Taiji-Gigong, Meditation, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation und Atemtechniken, was die Regeneration der geschädigten Strukturen und beeinträchtigten Funktionsabläufe erst ermöglicht.
- 6. Behandlung des gesamten Verdauungstraktes nach umfangreicher Stuhl- und Urinuntersuchung im Labor (Darmflora, Darmschleimhaut, Darmimmunsystem, Darmnervensystem, Nahrungsmittelunverträglichkeiten bzw. – aufnahmestörungen, Verdauungsleistung) mit Orthomolekularer Medizin, Pflanzenheilkunde sowie homöopathischen Komplexmitteln. Osteopathische Untersuchungs- und Behandlungstechniken sind die optimale Kombination dazu.
- 7. Anstreben einer Fettsäurenbalance (= flüssige Membranen) zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren und damit eine Regulation des Entzündungsniveaus im gesamten Körper.
- 8. Untersuchung und Behandlung der Vitalität und Psyche des Patienten mit Hilfe der Neurostressdiagnostik. Über Speichel- und Urinuntersuchungen werden Serotonin, die Katecholamine, die Kynurenin-Tryptophan-Ratio, das Cortisoltagesprofil bestimmt. Die Behandlung erfolgt hauptsächlich mit Orthomolekularer Medizin.
- 9. Optimierung der Funktion der wichtigsten Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane des Körpers (Leber, Niere, Lymphe, Darm) ganz gezielt nach Laboruntersuchungen:
Bestimmung der Leberwerte und der Proteine, die in der Leber gebildet werden
o ﻻ- GT, GPT, GOT, Bilirubin, AP, CHE
o Präalbumin, Albumin
o α-1-Globuline: α-1-Glykoprotein, α-1-Antitrypsin (Akute-Phase-Proteine)
o α-2-Globulin: Haptoglobin (Akute-Phase-Protein)
o β-Globuline: Transferrin, C 3 (invers zu den Akute-Phase-Proteinen)
o CRP (Akute-Phase-Protein)
- Belastungstest der Leber mit Koffein und Paracetamol gibt einen Überblick über die Kapazität einiger Enzyme der Phase I / II der Leberentgiftung
- Bestimmung des Glutathionspiegels (wichtigstes Molekül der Leber-/ Zellentgiftung), sowie der Gesamtaktivität der Glutathion-S-Transferasen (selenhaltige Enzyme der Phase II der Leberentgiftung)
- genetische Analysen von Entgiftungsenzymen der Phase I / II der Leberentgiftung, um schnelle von langsamen Konjugieren zu differenzieren
- Säure-Basen-Tagesprofil um die Leistungsfähigkeit der Nieren zu beurteilen
- Die vorangegangenen Untersuchungen ermöglichen die Entscheidung, ob eine gezielte „Reinigung“ des Blutes, der Lymphe und der bindegewebigen
Matrix von endogenen Stoffwechselrückständen, exogen aufgenommenen Umweltkontaminanten und Xenobiotika, sofort vorgenommen werden darf, oder
erst eine langfristige Regeneration von geschädigten Strukturen bzw. Enzym- und Organsystemen durchgeführt werden muss, um körpereigene Strukturen
nicht zu schädigen. Unkontrollierte Entgiftungen führen regelmäßig zur überdurchschnittlich heftigen Verstärkung diffuser Symptome, die gerne als
„Erstverschlimmerung“ beschrieben werden.
- 10. An diesem Punkt kann die Eigenregulation des Körpers wieder einsetzen und noch vorhandene Gesundheitsprobleme ohne weitere Hilfe von außen lösen. Sollte das nicht der Fall sein, sind jetzt die Grundlagen der Gesundheit gelegt und eine ganz gezielte Therapie hat beste Chancen zu greifen.